Erbaut zum Vergessen - Parchim International

Es ist bereits fast 11 Jahre her als der Chinese Pang den ehemaligen Militärflugplatz übernommen hatte, jede Ankündigung war nur heiße Luft. Wer erinnert sich noch an Worte wie „Frachtdrehkreuz Parchim“, „Zwischenstopp für zehntausende chinesische Touristen“ ?

 

Führte die Gesellschaft LinkGlobal Logistics Ltd. & Co jemals Frachtflüge zwischen Schwerin-Parchim und Zhengzhou durch? 

 

2015 wurde der neue, 36m hohe Tower errichtet. Aber wozu eigentlich? Für genau das Jahr waren die ersten Ferienflieger aus China angekündigt, die mitten in Mecklenburg-Vorpommern ihre Deutschland & Europatouren starten sollten. Doch das letzte Mal, als Touristenflieger abgefertigt wurden liegt über ein Jahrzehnt zurück, damals hießen die Ziele Mallorca und Bulgarien. 

Sechs ausgemusterte Airbus A340-600 der China Eastern Airlines sollen in Parchim stehen, ich selbst habe nur vier gesichtet, die Maschinen werden regelmäßig von LH-Technikern gewartet, hin und wieder werden die Triebwerke aus diesem Grund gestartet. Was weiter mit den Jets geschehen soll weiß allerdings keiner so recht. Über den Investor hört man auch nichts mehr, Pang soll lt. Landratsaussagen und Pressemeldungen seinen Verpflichtungen jedoch noch nachkommen, hierzu zählen auch die Gehälter der wenigen Mitarbeiter am Flughafen.

 

Die einst 30 Millionen Euro des Kaufpreises hatte Pang auch nicht vollkommen gezahlt, nach mehreren Mahnungen erließ der Kreis Pang 12 Mio. €, damit verpflichtete er sich jedoch auch die monatlichen Kosten von rund 200.000€ zu tragen und die Millionen für den Ausbau des Airports zu investieren. 

Zuletzt hieß es, dass Pang investieren muss, aber mehr als leere Versprechungen wird es wohl auch in Zukunft um Parchim nicht geben.  

 

So viel zu Parchim. Ich war vor nicht allzu langer Zeit dort und habe mir den Airport mal im Rahmen einer Mountainbiketour angeschaut.

Zwei Jets stehen auf der Landebahn ganz vorne. Zwei weitere auf dem Terminalvorfeld, die letzten beiden, welche auch bei Google Earth sichtbar sind habe ich nicht gesehen. 

Es ist wirklich schade, dass man die Jets hier mitten im Nirgendwo einfach sich selbst überlässt. Gehören wollten wir wohl keinem mehr. Der Airport selbst ist derzeit auch eine Baustelle, in der Halle hinter dem Empfangsgebäude sehe ich noch einen kleinen Betrieb. Die Empfangshalle selbst ist verschlossen, im Fenster ein Zettel mit der Ankündigung eines Umbaus für eine Mehrzweckhalle. Auftrag vom Rat des Landkreises Schwerin-Parchim. 

Fliegen wird hier vermutlich nichts mehr. Die Jets sind die einzigen Zeugen einer halbwegs fliegerischen Vergangenheit, immerzu sehe ich Sportflugzeuge starten und ihre Kreise über den Airport ausweiten, nur hier startet und landet nichts. Auf der anderen Seite der Bundesstraße befindet sich der Sportflugplatz von Schwerin, der einzige wo reger Betrieb herrscht. 

 

Zwischen Feldern, Bundesstraße und Flughafen verläuft der Bahndamm, von hier habe ich noch einmal Blick auf die beiden Vierstrahler. Eines Frage ich mich bis heute, warum hier oder warum stellt man ausgerechnet zwei A340-600 am Ende der Runway ab? 

Diese vier chinesischen Vierstrahler hätten sicherlich woanders ein besseres Zuhause gefunden, ggf. auch als Spare Parts, aber man lässt sie hier lieber verrotten wie den gesamten Flugplatz. Ich hätte mich gerne mehr, besonders auch in den Gebäuden umgeschaut. Am späten Nachmittag ging es nun zurück zum Auto, Dreck abschütteln, MTB verladen und zurück nach Hamburg.  

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