Ich fliege nicht mit, wenn Condor fliegt

Vorwort

 

Da war ich gerade mitten auf einem Flighttrip in PMI über Nacht „gestrandet“ und hatte die Nacht irgendwie überlebt, als ich meine Planverbindung überprüfte, die geplante VLM Airlines wurde durch Thomas Cook Balearics ersetzt. Sehr schade, hierbei entdeckte ich jedoch einen sehr viel interessanteren Flug, den ich vielleicht buchen sollte.

 

27. Juni 2018

 

Nachdem ich meine Sachen zusammengepackt hatte und mich Richtung Check-In von Condor für meinen Flug zurück in die Heimat machte, nutzte ich noch schnell die Wartezeit und buchte zwei extrem-exotische Flüge, einmal hin und natürlich wieder zurück. Ebenfalls ab Hannover und auch noch heute Nachmittag, der Preis war mit 40€ Oneway unschlagbar. Um ganz sicher zu sein buchte ich den Rückflug auf die gleiche Maschine. 

 

Als ich in Hannover gegen Mittag landete, machte ich mich direkt hoch zum Check-In, abermals von Condor, noch war dieser Flug geschlossen, jedoch fragte ich, ob mein Exot wirklich eingesetzt wird, denn ich fliege nicht mit, wenn Condor fliegt. Es kam die Antwort, die ich hören wollte und schon saß ich für’s Mittagessen in der Karl-Jatho-Lounge in Terminal B, da diese landseitig ist, ging es danach zurück zum Check-In Schalter. 

Ich erkundigte mich noch nach der Bordkarte des Rückfluges, da dieser wirklich mit der gleichen Maschine stattfindet, man fand es durchaus interessant, ich begründete meinen etwas verrückt klingenden Ausflug damit, dass man derzeit nirgendwo sonst als bei Condor einen derart seltenen Flugzeugtypen und dazu die Airline günstig fliegen konnte. Ich bin wohl der einzige Condorkunde, der den Mix aus aller Welt-Airlines herzlich aufnimmt und positives Feedback gibt. Leider blieb meine Anfrage bzgl. der Einsätze bis heute unbeantwortet. 

 

Nun machte ich mich durch die Siko, ein netter Plausch über die skandinavischen Länder war auch noch drin, dies kam durch mein „Dänemark“-Nackenkissen zustande. Es freut mich immer sehr, wenn man eine freundliche Kontrolle hat. Die Zeit reichte noch für ein Bier in der Airport Club Lounge. 

 

Dann ging es noch schnell die Flasche auffüllen und zum Gate C16A, ich glaube, dass ist meine erste Busfahrt in Hannover. Beinahe pünktlich startet das Boarding, mit dem Bus geht es auf eine weit entfernte Parkposition. Und da steht sie! Ein lange unausgesprochener Traum wird wahr! Viele der Mitreisenden sind unzufrieden und überrennen gerade zu die Condormitarbeiterin mit ihren Beschwerden, ich freue mich und mache Bilder. 

 

Beim Einsteigen spreche ich die Crew auf meinen direkten Rückflug an, leider können sie mir nicht direkt helfen und wir sollen uns an den Ramp Agent in Heraklion wenden. Einige ziehen es wirklich durch und wollen nicht mitfliegen, damit verzögert sich der Start um einige Zeit, die Koffer müssen erst ausgeladen werden. 

 

Vielleicht sollte man sich nicht so anstellen, die Airline erfüllt die Sicherheitsstandards wie jede andere in Europa und die Maschine — LZ-LDS McDonnell-Douglas MD82 (DC 9-82) — ist gerade mal 25 Jahre alt, da ist manche Condor oder Lufthansa A320 älter. 

Da sich ein paar dazu entschlossen haben den Bus nicht zu verlassen und somit den Flug nicht mehr antreten wollten, musste nun das ganze Gepäck gesucht werden. Pax ohne Koffer ok. Pax mit Koffer auch okay. Koffer ohne Pax geht gar nicht. Außer es ist einer der den Anschluss nicht gepackt hat, dies ist hier jedoch nicht der Fall. 

 

So begann eine elende Warterei. Wir konnten jetzt auch nicht den nächsten oder übernächsten Slot erreichen. Man gut, dass kein Wochenende ist, das hätte noch mehr Stress ergeben. Nach 20 Minuten wird Wasser angeboten, nach 40 Minuten bekommen wir die Nachricht, dass es in Kürze losgehen soll. Weitere zehn Minuten später verlässt die Lufthansa Hannover, der Airport wirkt wie ausgestorben. Weit und breit kein Flugzeug zu sehen. Hop steht noch mit Embraer an Terminal C, eine Turkish Airlines ist auch mal reingekommen…

Dann kommt das Pushbackfahrzeug, wir werden langsam zurückgeschoben. Die Südbahn wird immer noch saniert, bis Ende September. Wir rollen zur Nordbahn, eine Germanwings ist gerade im Landeanflug. Der Parallelrollweg ist gesperrt, also warten wir. Feuerwehr kommt. Nicht für uns und auch nicht für die Germanwings. Die 27R ist frei und wir rollen los, nein wir starten noch nicht, dafür ist der Bahnrest einfach zu kurz. Ich würde gerne mal auf der Center landen, die wenigsten wissen von ihr. 

oben: Bulgarian Air Charter MD-82 (DC-9-82) LZ-LDS in Hamburg

 

Wir rollen an einer Cessna vorbei, drumherum Feuerwehr, Follow-Me und Notarzt, da ist wohl was vorgefallen, hoffentlich nichts schlimmes. Nicht ganz bis zum Ende, am gesperrten Taxiway Bravo geht’s zunächst ganz nach rechts, dann wird gedreht, es ist doch immer wieder unglaublich wie klein der Wendekreis eines Narrowbodys’ ist. Einmal die Nase nach vorne und Gas geben. Es ist so unglaublich leise, ich sitze auf 11A, wir haben 36 Reihen. Erst auf Reiseflughöhe merkt man, dass man wirklich fliegt, denn die Geräuschkulisse wird hörbar, aber vergleichsweise leiser als ein Airbus A320 in Reihe 11.

Vorbei an Braunschweig, dem VW Airport und schon sehen wir uns in den Wolken wieder. Zwischendurch ein Luftloch, das war’s dann erstmal mit Aussicht. Eine Ansage folgt, auf diesem Flug gibt es freie Sandwiches und ein alkoholfreies Getränk sowie Kaffee oder Tee. Dafür, dass ich  Eco Light gerade mal vor 10 Stunden gebucht habe, bin ich doch ganz zufrieden mit dem Gebotenen. 

 

Die Sitze sind bequem, wahrscheinlich noch Original, ein sehr guter Abstand und das Recline, wenn es sich denn nicht selbstständig auslöst, ist nicht gerade wenig. Altmodisch und doch sehr viel angenehmer als die moderne Version des Charterbetriebes. Die Crew ist sehr freundlich und aufmerksam. Ich habe zwischendurch auch Zeit für kurze Gespräche. Leider ist das Modell der MD82 nicht auf Charterflügen für andere Airlines geladen, sehr schade. Ich muss wohl nochmal ran, dann auf einem Charterflug der Airline nach Bulgarien, oder an einen ihrer Airports… 

Nächstes Ziel? Bulgarien! Ich brauche eh noch was für den Juli…

 

Irgendwann sehe ich eine Landebahn, die Insel ist zu klein und wir sind zu hoch, es ist noch eine knappe Stunde bis zu Landung, es geht schon leicht runter, der Druck auf den Ohren nimmt zu. Noch ein Smalltalk mit meinem Sitznachbarn über den geplanten oder auch nicht vorhandenen Aufenthalt. Es ist noch hell, Kretas Berge kommen in Sicht, wenig später Strände und Hotels. Wir befinden uns im Endanflug auf Heraklion (HER), die Nase wird nochmal gesenkt und wir setzen gleich zur Landung an. Nase hoch und aufgesetzt. Die Bahn ist etwas wackelig. Wir rollen aus und drehen am Ende auf den Parallelrollweg ein. Der Airport sieht voll aus, Enter Air, Transavia, Condor „Rizzy Bird“ aber auch eine ATR 42 von Skyexpress sind schon da. Es sind zu viele zum Aufzählen. Wir bekommen eine Vorfeldposition neben der British Airways zugewiesen. 

Kostenfreie Verpflegung und ein bequemer Sitz, der vermutlich noch den Original-zustand der 90er hat, was will man mehr?

Ich spreche nochmal kurz mit der Crew, leider darf ich nicht drin bleiben und muss erneut durch die Security, einen Transfer gibt es hier nicht. Mit dem zweiten Bus geht’s zum Terminal, ein Foto ist noch drin. Es ist wahnsinnig voll an den Check-In Schaltern, die Security ist vergleichsweise leer. Nach fünf Minuten stehe ich wieder beim Boarding, keine 15 Minuten war ich also in Griechenland, ist das ein Rekord? 

Mit dem Bus geht’s zurück zur Super 80, der McDonnell-Douglas MD-82. Sie ist wirklich wunderschön und einmalig. Die Urlaubsrückflieger beschweren sich wieder lautstark, nur diesmal ist keiner von Condor in der Nähe und so steigen alle brav ein. Der Rückflug ist leider ausgebucht, Condor hatte mir heute morgen beim Check-In Platz 4D zugewiesen, da es eh ein Nachtflug ist nehme ich diesen auch dankend an. An Schlaf sollte ich lieber nicht denken. 

Die Crew begrüßt mich recht herzlich zurück, nachdem alle an Board sind wird die Treppe eingefahren und die Schotten dicht gemacht. Ein kurze Sicherheitseinführung und schon rollen wir zur Startbahn. Auch hier nehmen wir nicht vom Ende Anlauf sondern direkt beim Taxiway, Startfreigabe erfolgt und schon geht wieder Richtung Himmelszelt. Es ist wieder ein wunderbares Gefühl steil hinauf zu gleiten. Eine lange Rechtskurve und wir fliegen wieder nach Hannover zurück. 

Der Service startet diesmal etwas später, es gibt die gleiche Auswahl wie beim Hinflug, da ich vorhin Fleisch hatte entscheide ich mich nun für Käse, dazu eine Cola. Später folgt der Kaffee, bei dem ich freundlich gefragt werde, wie es mir bei ihnen gefällt, ausgezeichnet, ich würde gerne öfter mitkommen. Denn so eine herzliche Crew und so ein seltenes Meisterstück hat man selten. Ein Teil der Crew spricht auch deutsch, für das Chartergeschäft ab Deutschland sicherlich sehr nützlich, Hannover - Bulgarien wird auch als Vollcharter bedient, allerdings im A320, ob es diesen wirklich gibt, glaube ich erst, wenn ich drin sitze. Flottenvervollständigung bei Airlines ist auch ein nettes Spielchen. 

 

Der Flug verläuft ruhig und ohne große Vorkommnisse, mal ein wenig Geschaukel aber das ist inzwischen Gewohnheit. 

 

In Hannover sind wir etwas mehr als eine Stunde verspätet gelandet. Mit dem Bus ging es zurück zum Terminal C, somit bin ich auch mal zum Busfahren in Hannover gekommen. 

 

Mal schauen, wann es den nächsten reinen Flighttrip gibt. Früher oder später sehen wir uns wieder! 

Statistik

 

Datum Airline FlugNr. von nach Dist km Aircraft Reg
27.06.18 BUC DE1692 HAJ HER 2.263 DC-9-82 LZ-LDS
27.06.18 BUC DE1692 HER HAJ 2.263 DC-9-82 LZ-LDS
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