Der Weg ist das Ziel - die ersten 100 sind geschafft

Der sechste Teil meiner Serie sollte erst im Januar dazu stoßen, jedoch war ich an den Feiertagen recht ungeduldig und konnte nicht so lange auf den nächsten Trip warten, so sollte es noch in 2017 losgehen.  Denn der 100. Flug wäre rechnerisch Ryanair geworden und das wollte ich nun wirklich nicht. So wird aus dem hundertsten gleichzeitig der 45. in 2017. Die Voraussetzung für diesen doch „etwas“ besonderen Flug waren: keine bisher geflogene Airline und nur max. 1 Flug auf dem Muster, besser natürlich keiner sowie am besten von einem neuen Airport.

 

Alle drei Voraussetzungen konnte erfüllt werden. Da kein Platz mehr für einen Positionierungsflug ist, geht’s also per Bahn zum Startpunkt. Obwohl die Airline ein Monopol an diesem Airport hält war der Preis drei Tage vor Abflug unschlagbar billig.

 

Um halb 5 klingelt der Wecker an diesem trüben Samstagmorgen, es ist trocken und eigentlich viel zu früh, kam ich doch erst gestern aus der Heimat zurück nach Hamburg. Gegen 6 fährt der Schnellbus zum Hauptbahnhof, die Zeit reicht also locker zum fertigmachen und Verpflegungspaket zusammenzustellen.

 

Zehn vor Sechs. Ich bin allein an der Haltestelle, klar, wer auch sonst als ein verrückter Flieger steht so früh auf. An einem Samstag!!! Wenn der Schnellbus die einzige Möglichkeit pünktlich zur Bahn zu kommen zahlt man doch gerne den Zuschlag. Es ist doch ein wenig was los. Ereignislos geht’s zum Hauptbahnhof, wo ich gegen halb Sieben eintreffe. Der Regionalexpress wartet bereits an Gleis 5 Richtung Kiel. Die Fahrt wird etwa eine Stunde dauern, denn in Neumünster muss ich erstmal umsteigen.

 

Ich kann ja schon mal die Minuten rückwärts zählen, es sind 5 Stunden bis zur Zielstadt, dort gibt’s ein kurzes Sightseeing — die Stadt hat immerhin ein Schloss — bevor es mit dem gestern gebuchten Shuttle zum Airport geht. Shuttle? Ja der Airport hat keine vernünftige Busanbindung (2-3x täglich, nicht auf den Flugplan abgestimmt, und auch die Haltestelle befindet sich noch etwa 2 km entfernt).

 

Gut, dass ich mein iPad noch habe, gestern noch einige Folgen der alten Top Gear Staffeln runtergeladen (legal).

 

Die Fahrt recht ereignislos. Aussicht gleich null, denn es ist noch weit vor Sonnenaufgang.

In Neumünster besteige ich den Regionalexpress der Nordbahn nach Flensburg. Es ist der gleiche Zugtyp wie auf dem vorherigen Segment, warum auch immer so früh kein durchgehender RE fährt…

 

Die Weiterfahrt nach Flensburg hatte einzig das Ereignis der Änderung des Himmels von Schwarz in Dunkelblau und den direkten Übergang in Grau — Regen.

 

Immerhin noch keine einzige Minute Verspätung eingefahren. Mittlerweile bin ich umgestiegen in den dänischen InterCity, welcher doch sehr viel moderner ausgestattet ist als die unsrigen. Nächster halt ist dann Tinglev st, wo ich dooferweise anderthalb Stunden planmäßigen Aufenthalt habe.

 

Ich hoffe das Wetter bessert sich noch und man kann ein bisschen was von der Umgebung sehen. Vielleicht habe ich ja Glück und erwische einen früheren Anschlusszug, das halte ich jedoch für höchst unwahrscheinlich, denn der Zug fährt nur alle zwei Stunden und ist nicht auf den InterCity abgestimmt. Mal schauen, was Tinglev neben drei Schulen und einer Kirche zu bieten hat.

 

Da war ich dann plötzlich in Tinglev. Wikipedia zufolge um 6.000 Einwohner. Der Ort oder die Kleinstadt ist recht langgezogen, ich bin erstmal einen Geldautomaten suchen gegangen (ja Land der Kreditkarte, später mehr dazu), ist zum Glück groß ausgeschildert, vom Bahnhof vorbei am Stadtzentrum (EKZ, Fitness, Bäcker) nach links der Hauptstraße folgend. Ich bin dann noch ein wenig weiter zum „Wahrzeichen“ des Dorfes. Irgendwie muss man ja die Zeit rumkriegen, also einmal zur Kirche und zurück zum Bäcker, der Hunger kommt auch, und das zuvor erworbene Bargeld wird schon wieder weniger.

 

 

Ich bin dann nach rund einer Stunde spazieren gehen auch zurück zum Bahnhof. In der Wartehalle befindet sich auch ein Kiosk, den Kaffee gab’s für 12,50 Kronen, leider sehr wässrig. Ein vernünftiges Café oder einen Starbucks gab es in Tinglev nicht.

 

Um 10:40 ging ich nun rüber auf Gleis 3. Der Bahnhof wirkte wie verlassen, die Züge sind alle nicht aufeinander abgestimmt. Das kann ja selbst DB besser.

 

Der Zug kam immerhin pünktlich, äußerlich glich er dem InterCity von der vorherigen Fahrt, innerlich doch etwas unbequemer. Die Fahrt sollte auch nur eine knappe halbe Stunde dauern, die Landschaft war recht öde. Wie in vielen Ecken Deutschlands auch Felder, Wiesen und Wälder.

 

Kontrollieren wollte keiner das Ticket. Der Bahnhof von Sonderborg liegt etwas außerhalb, genauer gesagt auf dem Festland, den Sonderborg liegt auf einer Insel mit ein paar anderen Dörfern und dem Airport.

 

Ich hatte das Shuttle für 12:50 gebucht, nun blieben mir etwas mehr als anderthalb Stunden für ein Sightseeingprogramm, welches ich mir kurz via Google Maps zusammengestellt hatte. Über die Klappbrücke Kong Christian den X’s Bro über den Als Sund. In Richtung des Schlosses, vorbei an älteren Häusern am Hafen, man pfiff hier der Wind durch! Ich hatte Glück, es hatte aufgehört zu regnen. Erst Schloss dann Strand, wenn man dies denn so nennen darf. Vorbei an der Mühle in die obere Stadt, ja Sonderborg liegt an einem Hügel. Durch die Fußgängerzone vorbei an der alten Post zum Ringridermuseet. Von hier zur Kirche und zurück zum Bahnhof, von dort noch ein paar Bilder von Universität, den alten Backsteinbauten und dem neuen Klotz der davor gebaut wird.

 

Nun denn zurück zum Bahnhof und kurze Zeit später entstand noch ein Bild auf der Schiene und dann kam auch schon der Fahrer von Flextrafik. Über die Seite des Sonderborger Airports wird dies empfohlen, bei einem Preis von 35 Kronen auch sehr günstig, im Vergleich zum Taxi, ich habe vorab keinen zeitlich passenden Bus gefunden, lt. Googlemaps fährt dreimal täglich ein Bus nach Arnkil, was auch nochmal rund drei Kilometer Fußweg gewesen wären, zudem aber auch keine Preise. Über die Airportwebsite wird die Möglichkeit das Shuttle online zu buchen und mit Kreditkarte zu zahlen in Aussicht gestellt, die Weiterleitung ist jedoch nur noch in dänisch verfügbar. Tipp: Telefonisch buchen, Nummer xxx, dann die 1 und direkt nach Englisch bitten, der erste hat mich direkt abgewiesen, beim zweiten Anruf hat es dann geklappt. Bei telefonischer Buchung ist nur die Barzahlung möglich, daher der vorherige Weg zum Geldautomaten. Der Fahrer ist sehr freundlich, sucht das Gespräch, zunächst auf Dänisch, nach meinem Sorry … geht’s auf deutsch weiter, er erzählt, dass er hört, dass ich aus Hamburg komme, merkwürdig, so Dialektfrei ich doch eigentlich bin, er wundert sich, dass ich so „früh“ zum Flughafen fahre, ist ja nicht München oder Düsseldorf… Ja gut, lieber viel zu früh als etwas zu spät. Eine weitere Person wird noch abgeholt und dann werde ich direkt vor’s Terminal gebracht. Die Fahrt dauert also ungefährt 10-15 Minuten.

 

Bevor ich mich ins Terminal begebe, werden erstmal Fotos gemacht, Terminal, Tower, Vorfeld, hier stehen einige ATRs aber auch die Dassault Falcon 7X des VW Flugdienstes, eine CRJ-200 ohne Triebwerke, eine ATR der Cabo Verde Airlines sowie der jettime, und noch ein paar weiße. Und eine Schwarze! Ich vermute die andere Schwarze im Hangar, heute sollten sie beide noch zuhause sein, denn es gibt nur einen Returnflug nach CPH.

 

Jetzt ist es wohl raus, ich werde vom doch recht exotischen Airport Sonderborg Lufthavnen SGD mit Air Alsie, durchgeführt von alsieexpress nach Kopenhagen mit der ATR 72-500. Alsieexpress betreibt zwei, die OY-CLZ und -CLY. Air Alsie / Alsie Express ist ein bisschen verstrickt, letztere ist eigentlich nur eine virtuelle Airline, die mit dem AOC ihrer Schwester in ihrer eigenen Bemalung fliegt. Die ATRs sind mit nur 48 Sitzen „all business“ bestuhlt. Beim Checkin, habe ich mich mal nach der Auslastung erkundet, 34/48, Free Seating und vermutlich freier Nebensitz, da ich einer der wenigen Einzelbuchungen bin. Der Boarding Pass ist leider auch hier nur noch ein dünner Streifen Papier. Es gibt kostenfreie Heißgetränke aus einem Vollautomaten, WLAN ist auch verfügbar, kostenlos, jedoch muss man sich erst für mycloud registrieren oder einloggen. So langsam trudeln auch die anderen Gäste ein, jedoch zu keinem Zeitpunkt eine längere Schlange als zwei Personen. Nebenbei wird die Sicherheitschleuse aufgebaut. Boarding ist für 14:30 angesetzt, 30 Minuten vor Abflug, Checkin schließt 15 Minuten vor ebendiesen. Ca. 10 Minuten vor Boardingbeginn begebe ich mich auch airside, ohne Anfälligkeiten. Airside füllt sich, man kann beobachten wie die Maschine eintrifft, anscheinend aus dem Hangar geholt, denn vorhin stand nur die Z einsehbar auf dem Vorfeld. Man kann noch beim Einladen des Gepäcks zusehen, ein paar DAAs werden noch hinzukommen. 14:45 das Boarding beginnt, die Bordkarten werden nicht erneut kontrolliert (vor SiKo bereits gescannt).Ich mache noch ein paar schnelle Nahaufnahmen, und gehe schnell noch vor der „Masse“. Platz 6A auf Höhe des linken Props ist noch frei, zwei Fenster und massenhaft Beinfreiheit (remember „all business“), mein Nebenplatz bleibt frei. Wir sind leicht verspätet, aber das macht hier nun wirklich nichts aus. Wir rollen zur Piste und drehen am Ende, dann geht’s über die 32 gen Süden raus, nach nicht einmal einem Viertel der Bahn. Die ATR ist doch ein tolles Flugzeug und auch nicht so laut wie die Q400. Durch die schwarze Lackierung ist der Ruß vom Auspuff(=?) auch nicht so stark sichtbar wie bei anderen Airlines.

 

Nach einer Linkskurve befinden wir uns in einer weißen Welt, ähhm Wolke wieder. Es gibt sogar einen inkludierten Boardservice, wählbar sind verschiedene Heißgetränke sowie Wasser oder Apfelsaft. Dazu einen Snack, Schokolade oder ein Salzgebäck. Die Beinfreiheit ist echt klasse, schade, dass Air Alsie derzeit nur eine Route betreibt, jedoch soll ab Sommer Alghero angeflogen werden, um 200€ sowie Bornholm RNN ab 499 Kronen oneway in KW 27-32 Montags und Freitags. Ich würde die fünf stündige Anreise jeder Zeit wieder auf mich nehmen, um nochmal oder noch länger mit Alsie zu fliegen.

 

In CPH sehr sanft gelandet, hätte man die Gateposition vorher gewusst, und auch gewusst dass zwei Gates weiter DAT nach Karup Midtjyllands fliegt, hätte man direkt die nächste Dänische Airline und ebenfalls monopolisierten Airport abhaken können, dies war mit aber bei den Buchungen zu unsicher. Wäre ebenfalls eine ATR 72 gewesen. DAT steht auch noch auf der To-Do-DK, die dänischen Airports werden wohl schneller durch sein als die deutschen… Nun denn weiter in der Story.

 

In CPH straight to the exit und zum Fahrkartenautomaten, nach Norreport und zurück, von einer vermeintlichen Helferin angegiftet worden „warum ich denn den Start ändere?“ Weil ich’s kann und ich keine Hilfe brauche, danke kann ich schon allein. Nerv. 30 Minuten später am Ziel. Hostel Jorgensen, wer sich erinnert, ich war vor der großen Amerika-Reise bereits hier.

 

Abends nochmal kurz durch die Stadt zum Nyhavn gelaufen, leider hat es geregnet, sodass nicht mehr als 2-3 Bilder bei Nacht entstanden sind. Morgen geht’s dann früh zurück zum Airport zum nächsten Airline-Erstflug meinerseits. 

 

SGD_Airport
Air Alsie_Alsie Express
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